Hausordnung veraltet? So bringen Sie sie auf den neuesten Stand

Hausordnung veraltet? So bringen Sie sie auf den neuesten Stand

Als Immobilieneigentümer, der derzeit eine neue Hausverwaltung sucht, bietet sich jetzt eine günstige Gelegenheit: Überprüfen und modernisieren Sie die Hausordnung Ihrer Liegenschaft, bevor die neue Verwaltung übernimmt. Eine gut formulierte, aktuelle und rechtssichere Hausordnung schafft Klarheit für Eigentümer und Mieter, beugt Konflikten vor, unterstützt den Werterhalt der Immobilie und erleichtert die tägliche Verwaltungspraxis. Im folgenden ausführlichen Leitfaden erfahren Sie, warum Aktualisierungen notwendig sind, welche rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten sind, wie ein strukturierter Modernisierungsprozess aussieht, welche Inhalte heute relevant sind, wie Verstöße sanktioniert werden können und welche Kriterien bei der Auswahl einer neuen Hausverwaltung helfen. Am Ende finden Sie praktische Musterformulierungen und eine erweiterte Checkliste zur direkten Umsetzung.

1. Warum eine aktualisierte Hausordnung wichtig ist

Eine Hausordnung ist mehr als eine Sammlung von Verboten oder reinen Organisationshinweisen. Sie ist das Instrument, das das Zusammenleben in Mehrfamilienhäusern und Wohnanlagen regelt. Sind diese Regelungen veraltet, entstehen Unsicherheiten, Kommunikationsprobleme und zunehmend Konflikte – gerade bei neuen Themen wie E-Mobilität, Homeoffice oder Kurzzeitvermietung. Die wichtigsten Gründe für eine Aktualisierung im Überblick:

  • Rechtliche Klarheit: Neue gesetzliche Vorgaben (z. B. Datenschutz, Brandschutzanforderungen, Vorgaben zur Ladeinfrastruktur) verlangen Anpassungen.
  • Alltagspraktikabilität: Regeln, die sich in der Praxis nicht durchsetzen lassen, führen zu Frustration. Moderne Hausordnungen sind pragmatisch und anwendungsorientiert.
  • Werterhalt und Haftungsreduktion: Klar geregelte Verantwortlichkeiten für Sicherheit, Reinigung und Instandhaltung sind wichtig für den Werterhalt des gemeinschaftlichen Eigentums.
  • Konfliktprävention: Transparente Regelungen vermindern Streitigkeiten und erleichtern die Durchsetzung.
  • Anpassung an soziales Verhalten: Nutzungsgewohnheiten ändern sich (z. B. Lieferdienste, Elektroroller, Paketlogistik) – die Hausordnung sollte das abbilden.

Beispiele aus der Praxis: Unklare Regeln zur Mülltrennung führen zu Geruchsbelästigungen; fehlende Vorgaben zur Nutzung von Fluren als Paketablage begünstigen Diebstahl; unzureichende Regelungen zur Installation von Wallboxen verhindern schnelle Entscheidung. Solche Probleme lassen sich mit einer modernen Hausordnung erheblich reduzieren.

2. Rechtliche Rahmenbedingungen — das sollten Eigentümer wissen

Bei der Überarbeitung der Hausordnung müssen Eigentümer die rechtlichen Grundlagen beachten. Die Hausordnung darf nicht gegen geltendes Recht verstoßen und muss im Einklang mit bestehenden vertraglichen Vereinbarungen stehen. Die wichtigsten rechtlichen Eckpunkte:

  • Übergeordnete Gesetze: Die Hausordnung darf nicht gegen zwingendes Recht verstoßen (z. B. Grundrechte, zwingende miet- und baurechtliche Vorschriften). Relevante Rechtsgebiete sind insbesondere das Mietrecht (BGB), das Wohnungseigentumsgesetz (WEG) und bei bestimmten Fragen das Baurecht sowie die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).
  • Teilungserklärung/Gemeinschaftsordnung: In Wohnanlagen mit Wohnungseigentümern begründet die Teilungserklärung bzw. Gemeinschaftsordnung die Grundlage. Die Hausordnung darf diesen Regelungen nicht widersprechen.
  • Beschlussfassung: In der Regel wird eine neue Hausordnung durch Beschluss der Eigentümerversammlung eingeführt oder geändert. Oft reicht die einfache Mehrheit, bei bestimmten Eingriffen in Rechte einzelner Eigentümer kann jedoch eine qualifizierte Mehrheit erforderlich sein. Prüfen Sie die Teilungserklärung und die Geschäftsordnung der Eigentümergemeinschaft.
  • Verhältnismäßigkeit und Zumutbarkeit: Maßnahmen müssen verhältnismäßig sein. Unangemessene Einschränkungen können rechtlich angegriffen werden – z. B. absolute Verbote, die Pflege von Heimtieren vollständig ausschließen.
  • Datenschutz: Bei Einsatz von Videoüberwachung, digitaler Kommunikation oder der Speicherung personenbezogener Daten sind DSGVO-Vorgaben und nationale Datenschutzgesetze zu beachten. Oft ist eine Interessenabwägung und Dokumentation erforderlich.

Praxis-Tipp: Lassen Sie den Entwurf juristisch prüfen. Ein auf Immobilienrecht spezialisierter Anwalt oder eine erfahrene WEG-Hausverwaltung erkennt Konfliktpotenzial bereits im Entwurfsstadium und kann geeignete Formulierungen vorschlagen.

3. Praxis: So gehen Sie bei der Modernisierung vor — strukturierter Prozess in 6 Phasen

Ein geordneter Prozess erhöht die Akzeptanz und reduziert Nacharbeiten. Nutzen Sie diese Phasen als Projektplan:

Phase 1 — Bestandsaufnahme und Problemanalyse

Schritt-für-Schritt:

  • Alle relevanten Dokumente sammeln: aktuelle Hausordnung, Mietverträge, Teilungserklärung, Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen, bisherige Abmahnungen, Schadensfälle und Beschwerden.
  • Konflikt- und Schwachstellenanalyse: Listen Sie wiederkehrende Probleme (z. B. Lärm, Müll, Falschparker, Wildparken von E-Scootern, Paketablagen) und priorisieren Sie nach Häufigkeit und Risiko.
  • Stakeholder-Befragung: Befragen Sie Eigentümer, Mieter und Hausmeister/Techniker zu ihren Erfahrungen und Vorschlägen — schriftlich oder per Online-Formular.

Ziel: Klarer und priorisierter Überblick über Probleme, Risiken und Erwartungen.

Phase 2 — Prioritäten setzen und Zieldefinition

Teilen Sie die Themen in Kategorien ein:

  • Muss-Themen: Rechtliche Vorgaben, Sicherheits- und Hygieneaspekte.
  • Soll-Themen: Bereiche mit hohem Konfliktpotenzial oder wirtschaftlichem Einfluss (z. B. Parken, Ladeinfrastruktur).
  • Kann-Themen: Ästhetik, ergänzende Nutzungsregeln, freiwillige Verhaltensregeln.

Definieren Sie Ziele: z. B. Reduktion von Müllverstößen um X%, Rechtssicherheit herstellen, Einführung einer digitalen Kommunikationplattform.

Phase 3 — Entwurf erstellen

Erstellen Sie einen verständlichen und praxisnahen Entwurf. Achten Sie auf klare, kurze Formulierungen, verständliche Gliederung und Anwendungsbeispiele. Inhalte können modular aufgebaut werden, sodass einzelne Kapitel bei Bedarf leichter geändert werden können.

Beispiele für Struktur im Entwurf:

  • Allgemeine Grundsätze
  • Ruhe- und Nutzungszeiten
  • Haustiere und Tierhaltung
  • Gemeinschaftsflächen und Abstellplätze
  • Abfallentsorgung
  • Parken, Elektromobilität
  • Sicherheit und Zutritt
  • Datenschutz und Kommunikation
  • Durchsetzung und Sanktionen

Phase 4 — Rechtliche Prüfung und Feinabstimmung

Lassen Sie den Entwurf juristisch prüfen (Anwalt, fachkundige Hausverwaltung). Dabei sind folgende Punkte wichtig:

  • Prüfung auf Vereinbarkeit mit Teilungserklärung und Mietverträgen
  • Prüfung auf Verhältnismäßigkeit und rechtliche Durchsetzbarkeit
  • Datenschutz-Folgenabschätzung bei Videoüberwachung

In dieser Phase können auch alternative Formulierungen vorgeschlagen werden, um Konflikte mit einzelnen Eigentümern zu vermeiden.

Phase 5 — Einbindung der Eigentümergemeinschaft und Beschlussfassung

Bereiten Sie die Eigentümerversammlung sorgfältig vor:

  • Verschicken Sie den Entwurf rechtzeitig mit einer verständlichen Zusammenfassung (Begründung, Vorteile, Kosten-/Nutzen-Analyse).
  • Bereiten Sie einen konkreten Beschlussvorschlag vor (inkl. Text der Hausordnung und Übergangsregelungen).
  • Ermöglichen Sie Fragen und Diskussionen — idealerweise eine Q&A-Sitzung vor dem Beschluss.
  • Regeln Sie Abstimmungsmodalitäten gemäß Teilungserklärung/WEG.

Tipp: Bieten Sie Kompromissvorschläge an, wenn bestimmte Punkte kontrovers sind (z. B. Haustierklauseln, Ladeinfrastruktur, Kurzzeitvermietung). Das erhöht die Chance auf einen Beschluss.

Phase 6 — Kommunikation und Umsetzung

Nach dem Beschluss folgt die Umsetzung:

  • Schriftliche Information an alle Eigentümer und Mieter (Aushang, E-Mail, Hausverwaltungssystem).
  • Veröffentlichung der finalen Hausordnung in digitaler Form (Download-Link) und ausgehängtes Exemplar im Hausflur oder Hausmeisterbüro.
  • Festlegung von Übergangsfristen (z. B. 3 Monate bis vollständige Wirksamkeit) und klaren Ansprechpartnern.
  • Einweisung für Hausmeister und zuständige Dienstleister (z. B. Reinigungsfirma, Sicherheitsdienst).
  • Dokumentation aller Mitteilungen und Beschwerden zur späteren Nachverfolgung.

4. Inhaltliche Empfehlungen für eine moderne Hausordnung — Kapitelweise vertiefte Hinweise

Nachfolgend finden Sie erweiterte Formulierungsvorschläge und die jeweilige Begründung für zentrale Themenbereiche.

Ruhe- und Nutzungszeiten

Formulierungsvorschlag und Inhalte:

  • Festlegung von allgemeinen Ruhezeiten (z. B. 22:00–07:00 Uhr) und Mittagsruhe (z. B. 13:00–15:00 Uhr) — je nach Wohnlage anpassbar.
  • Präzisierung für Arbeiten mit Bohrmaschine, Hämmern und sonstigen lärmintensiven Tätigkeiten (z. B. nur werktags 08:00–12:00 und 15:00–18:00 Uhr zulässig).
  • Rücksichtnahme bei Homeoffice — keine pauschale Ausweitung von Ruhezeiten, aber Konfliktregelungen, wenn Geräuschpegel andere stört.

Begründung: Klar definierte Zeiten verhindern Interpretationsspielraum und helfen bei der Durchsetzung bei wiederholtem Lärm.

Haustiere

Wichtige Elemente:

  • Kategorisierung: Kleintiere ohne Lärmbelästigung vs. Hunde/Katzen mit bestimmten Pflichten.
  • Anforderungen: Haftpflichtversicherung, Anleinpflicht in Fluren, Entfernung von Hundekot aus Gemeinschaftsflächen.
  • Ausnahmen: Assistenz- und Blindenhunde sind in der Regel von Verboten ausgenommen.

Formulierungsbeispiel: „Die Tierhaltung ist grundsätzlich gestattet. Von der Tierhaltung darf keine unzumutbare Belästigung oder Gefährdung anderer Bewohner ausgehen. Hunde sind auf Gemeinschaftsflächen anzuleinen; Katzen dürfen nicht unbeaufsichtigt Gemeinschaftsflächen verunreinigen. Für Schäden haftet der Tierhalter.“

Gemeinschaftsflächen und Abstellräume

Regeln sollten enthalten:

  • Welche Gegenstände dürfen dauerhaft in Fluren, Kellern, Waschräumen oder Gemeinschaftsgärten abgestellt werden.
  • Vorgaben zur Kennzeichnung von persönlichen Abstellplätzen (Fahrräder, Kinderwagen).
  • Regelungen zu Sauberkeitspflichten und regelmäßigen Kontrollen durch Hausmeister.

Begründung: Ein geordneter Umgang mit Gemeinschaftsflächen reduziert Brandschutzrisiken und Haftungsfragen.

Abfallentsorgung

Konkrete Inhalte:

  • Vorgaben zur Mülltrennung, Standorten und Bereitstellungszeiten.
  • Regeln für Sperrmüll, Elektrogeräte und Sondermüll (Anmeldung, Kostenbeteiligung).
  • Maßnahmen bei wiederholten Verstößen (Hinweis, Kostenanschlag für Säuberung).

Praxis-Tipp: Ein Merkblatt mit Entsorgungsbestimmungen als Anhang ist hilfreich.

Parken, Ladeinfrastruktur und Elektromobilität

Wesentliche Punkte:

  • Regelung der Stellplatznutzung (zugeordnet / nicht zugeordnet).
  • Prozess für die Genehmigung und Installation von Wallboxen: Wer trägt Kosten? Wer ist Betreiber? Gibt es Gemeinschaftslösungen?
  • Regeln für das Zwischenparken von E-Scootern, Fahrradboxen und Ladezeiten.

Begründung: Klare Regeln verhindern Konflikte und ermöglichen die planbare Umsetzung von Ladeinfrastruktur in Abstimmung mit dem Versorger und Eigentümern.

Sicherheit, Zutritt und Brandschutz

Empfehlungen:

  • Regelungen für Türschließanlagen, Schließpläne und Ausgabe von Ersatzschlüsseln.
  • Verhalten bei Notfällen, Zugangsregelungen für Handwerker und Paketboten.
  • Pflichten zu Rauchmeldern, Feuerlöschern und Fluchtwegen.

Hinweis: Für sicherheitsrelevante Maßnahmen sind in der Regel fachliche Vorgaben (z. B. Brandschutzverordnung) zu beachten.

Digitale Kommunikation & Datenschutz

Inhalte:

  • Zustimmung zur digitalen Kommunikation (E-Mail, Eigentümerportal) sowie Hinweise auf die sichere Speicherung von Kontaktdaten.
  • Regeln zur Installation und Nutzung von Videoüberwachung: Zweckbindung, Speicherdauer, Verantwortlichkeit und Information der Betroffenen.

Wichtig: Dokumentieren Sie die Datenschutzbegründung und führen Sie ggf. eine Datenschutz-Folgenabschätzung durch.

Kurzzeitvermietung (Airbnb & Co.)

Regelungsoptionen:

  • Generelles Verbot oder Einschränkungen (Meldung an Verwaltung, maximale Anzahl von Tagen im Jahr, Absicherung durch Versicherung).
  • Pflichten des Vermieters gegenüber der Gemeinschaft (Lärm, Reinigung, Registrierungs- und Meldestandards).

Begründung: Kurzzeitvermietung kann die Wohnqualität beeinflussen und Versicherungs- sowie Haftungsfragen aufwerfen.

Balconies, Grillen und Rauchverhalten

Konkrete Regeln zur Nutzung von Balkonen (z. B. Grillen nur mit Elektrogrills oder bestimmte Zeiten) sowie Hinweise zu Rauchbelästigung und Rauchverbot in Gemeinschaftsbereichen.

5. Durchsetzung und Sanktionen — fair, verhältnismäßig und rechtssicher

Eine Hausordnung ist nur wirksam, wenn Verstöße konsequent, aber rechtlich sauber geahndet werden. Die wichtigsten Grundsätze:

  • Dokumentation: Jeder Verstoß sollte schriftlich dokumentiert werden (Datum, Uhrzeit, Beteiligte, Beweismittel wie Fotos oder Zeugenaussagen).
  • Stufen der Sanktionierung: Hinweis → Abmahnung → Fristsetzung zur Beseitigung des Mangels → Kostenersatz (z. B. Reinigung) → Beschluss über weitergehende Maßnahmen oder gerichtliche Schritte.
  • Verhältnismäßigkeit: Die Sanktionen müssen in einem angemessenen Verhältnis zum Verstoß stehen.
  • Rechtliche Absicherung: Bestimmte Sanktionen müssen durch einen Eigentümerbeschluss legitimiert sein (insbesondere bei Zwangsmaßnahmen oder Kostenumlagen).

Beispiel für einen Eskalationsablauf:

  1. Erstmeldung durch Hausmeister oder Nachbarn.
  2. Schriftliche Aufforderung zur Unterlassung mit kurzer Frist (z. B. 7 Tage).
  3. Bei Nichtbefolgung förmliche Abmahnung inkl. Androhung von Kostenersatz.
  4. Bei wiederholten Verstößen Beschluss der Eigentümerversammlung über Maßnahmen (z. B. Inanspruchnahme eines externen Reinigungsunternehmens auf Kosten des Verursachers).
  5. Bei gravierenden Verstößen: gerichtliche Durchsetzung (Einstweilige Verfügung, Schadensersatzklage).

Wichtig: Vermeiden Sie in der Hausordnung pauschale Bußgelder, wenn die Rechtsgrundlage dafür unklar ist. Oft ist es sinnvoller, konkrete Kostenersatzregelungen (z. B. Reinigung, Reparaturen) zu verankern und die Abrechnung transparent zu gestalten.

6. Auswahlkriterien für die neue Hausverwaltung — was Sie wirklich prüfen sollten

Wenn Sie parallel eine neue Hausverwaltung suchen, sollten Sie gezielt jene Kriterien abfragen, die für die Modernisierung der Hausordnung relevant sind:

  • Fachkompetenz: Erfahrung mit WEG-Management, Wohnungseigentumsrecht, Vertragsgestaltung und Durchsetzung von Hausordnungen.
  • Erfahrung mit modernen Themen: Elektromobilität, digitale Kommunikation, Datenschutz und Kurzzeitvermietung.
  • Referenzen: Konkrete Beispiele für erfolgreich begleitete Hausordnungsprojekte und Kontaktreferenzen.
  • Kommunikationskonzept: Wie organisiert die Verwaltung die Kommunikation mit Eigentümern und Mietern (digitale Plattformen, Aushänge, Rundmails)?
  • Konfliktmanagement: Nachweisliche Fähigkeiten zur Konfliktlösung und Durchsetzung von Beschlüssen.
  • Transparente Kostenstruktur: Klare Honorarmodelle für Beratungsleistungen, juristische Prüfungen und Umsetzungsbegleitung.
  • KPI und Reporting: Vereinbaren Sie Kennzahlen (z. B. Reaktionszeiten, Anzahl gelöster Beschwerden pro Quartal) und regelmäßiges Reporting.

Empfehlung: Erstellen Sie ein kurzes Anfrageprofil (RFP) mit Ihren wichtigsten Anforderungen und einem Bewertungsraster. Führen Sie strukturierte Interviews und lassen Sie sich Musterunterlagen (z. B. Beispiel-Hausordnungen) vorlegen.

7. Checkliste: Hausordnung modernisieren — erweitertes Praxis-Tool

  1. Bestehende Unterlagen (Hausordnung, Mietverträge, Teilungserklärung) sichten und digital archivieren.
  2. Beschwerden, Abmahnungen und Schadensfälle der letzten 24 Monate analysieren.
  3. Stakeholder-Befragung durchführen (Eigentümer, Mieter, Hausmeister, Dienstleister).
  4. Dringende Themen priorisieren (Muss/Soll/Kann).
  5. Entwurf erstellen lassen (Jurist/Hausverwaltung) mit modularer Struktur.
  6. Juristische Prüfung durchführen (DSGVO, WEG, Baurecht prüfen).
  7. Beschlussvorlage für Eigentümerversammlung vorbereiten (inkl. Übergangsfristen und Begründung).
  8. Kommunikationsplan erstellen (Anschreiben, Aushang, digitale Plattform, Informationsveranstaltung).
  9. Umsetzung koordinieren (Hausmeister, Handwerker, Reinigungsfirmen einbinden).
  10. Verstöße protokollieren und Eskalationskette implementieren.
  11. Regelmäßige Überprüfung (alle 2–3 Jahre oder bei Bedarf) einplanen.

8. Musterformulierungen — Kurzbeispiele für den Einstieg

Nachfolgend einige kurze, prägnante Musterformulierungen, die Sie als Basis nutzen können. Jede Formulierung sollte an Ihre Gemeinschaft angepasst und juristisch geprüft werden.

  • Allgemeines: „Die Hausgemeinschaft verpflichtet sich zu gegenseitiger Rücksichtnahme. Jeder Bewohner hat die gemeinschaftlich genutzten Anlagen sauber zu halten und so zu benutzen, dass keine andere Person gefährdet oder unzumutbar belästigt wird.“
  • Ruhezeiten: „Die Nachtruhe gilt werktags von 22:00 bis 07:00 Uhr. Besondere lärmintensive Arbeiten sind werktags nur zwischen 08:00–12:00 Uhr und 15:00–18:00 Uhr zulässig.“
  • Haustiere: „Die Tierhaltung ist zulässig, sofern keine unzumutbare Belästigung entsteht. Hunde sind auf Gemeinschaftsflächen anzuleinen. Für Schäden haftet der Tierhalter.“
  • Parken/Wallbox: „Die Nutzung von Stellplätzen richtet sich nach den zugewiesenen Nummern. Die Installation von Ladeeinrichtungen bedarf der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft; Kostenregelungen sind durch separaten Beschluss zu klären.“
  • Videoüberwachung: „Videoüberwachungsmaßnahmen sind nur nach vorheriger zweckgebundener Beschlussfassung und unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Vorgaben zulässig.“

9. Kommunikation & Change Management — Akzeptanz sichern

Eine neue Hausordnung ist nur so gut wie ihre Akzeptanz bei den betroffenen Personen. Effiziente Kommunikation erhöht die Bereitschaft zur Mitarbeit:

  • Transparente Informationspolitik: Frühzeitige Information, Begründung und positive Darstellung (z. B. „Mehr Sauberkeit, weniger Lärm, sichere Ladepunkte“).
  • Information in mehreren Medien: Aushang im Haus, E-Mail, Eigentümerportal und persönliche Gespräche.
  • FAQ erstellen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (Haustiere, Grillen, Parken, Strafen).
  • Feedbackkanäle einrichten: Online-Formular oder Sprechstunde mit der Verwaltung/Hausmeister.
  • Schulungen/Workshops: Kurze Informationsveranstaltungen z. B. zur richtigen Mülltrennung oder zur Nutzung von Ladestationen.

10. Zeitplan (Beispiel) — von der Analyse bis zur Umsetzung

  • Woche 1–2: Bestandsaufnahme, Beschwerden analysieren, Stakeholder-Befragung.
  • Woche 3–4: Priorisierung, Zieldefinition, erster Entwurf.
  • Woche 5–6: Juristische Prüfung und Überarbeitung.
  • Woche 7: Versand der Beschlussunterlagen an Eigentümer.
  • Woche 8: Eigentümerversammlung und Beschlussfassung.
  • Woche 9–12: Kommunikation, Aushang, Umsetzung erster Maßnahmen, Übergangsfrist beginnt.
  • Monat 4–6: Evaluation der Umsetzung, Anpassungen falls notwendig.

Fazit

Eine aktuelle und praxisgerechte Hausordnung ist ein zentrales Instrument, um Wohnqualität zu sichern, Konflikte zu reduzieren und den Wert Ihrer Immobilie langfristig zu erhalten. Nutzen Sie die Phase des Wechsels der Hausverwaltung, um strukturiert vorzugehen: Starten Sie mit einer fundierten Bestandsaufnahme, priorisieren Sie Handlungsfelder, lassen Sie juristisch prüfen und binden Sie Eigentümer und Mieter in den Prozess ein. Achten Sie bei der Auswahl einer neuen Hausverwaltung auf Fachkompetenz, Erfahrung mit modernen Themen (E-Mobilität, Datenschutz, Kurzzeitvermietung) und auf ein transparentes Kommunikationskonzept.

Wenn Sie möchten, erstelle ich Ihnen gern:

  • einen kompletten Musterentwurf einer modernen Hausordnung zur individuellen Anpassung,
  • eine fertige Beschlussvorlage für die Eigentümerversammlung,
  • oder eine Checkliste / ein Ablaufdokument als PDF zur Weitergabe an Interessenten und die neue Hausverwaltung.

Sagen Sie mir kurz, welche Formulierungen oder Themen für Ihre Liegenschaft besonders relevant sind (z. B. Anzahl Stellplätze, vorhandene Ladeinfrastruktur, Haustieranteil, Kurzzeitvermietungen) — dann passe ich die Mustertexte gezielt an Ihre Bedürfnisse an.

Autor:
Florian Schöberl.
Geschäftsführer und Inhaber
Besser Wohnen GmbH, Opelstr. 8c, 68789 St. Leon - Rot, https://besser-wohnen.de

Haben Sie Fragen oder suchen eine neue Hausverwaltung? Rufen Sie uns an und stimmen Sie einen Termin mit mir ab. Wir freuen uns auf Ihren Anruf.

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